Jagdwagen am Weingut Villa Heckel (um 1850)
Historisches Weinetikett

Weinbau und Wohlstand

 

Der Weinbau - konkreter Wohlstand für die Weinbautreibenden

Der Bliesgau und die Gebiete an der Oberen Saar waren bereits in der Vergangenheit ein beliebtes Weinbaugebiet. In einigen Orten lässt sich der Weinanbau lückenlos von Beginn des 13. bis Anfang des 20. Jahrhunderts nachvollziehen.

Die Muschelkalklandschaft mit ihren mergeligen, kalkhaltigen oder sandigen Böden sowie besondere mikroklimatische Gegebenheiten boten über die Jahrhunderte optimale Bedingungen für den Weinanbau.

Vom Landwirt bis zum Pfarrer, vom Fabrikanten bis zum Fabrikarbeiter und vom Bürger bis zum Handwerker – nahezu jeder hatte einen Weinberg. Alleine in der Gemeinde Bliesmengen-Bolchen, die zur damaligen Zeit gerade einmal 800 Einwohner zählte, wurden 1894, Jahre nach dem Beginn der Reblausplage, immer noch 142 Weinbergbesitzer verzeichnet.

Mit dem Weinanbau war auch konkreter Wohlstand verbunden. Manche Großbauern verkauften um 1890 pro Jahr für über 1000 Mark Trauben auf den Märkten in St. Ingbert und Saarbrücken.

„Bis nach dem 1. Weltkrieg wurde von den Einkünften aus dem Rebenanbau, obwohl nebenberuflich betrieben, ein relativ hoher Anteil der Lebenshaltungskosten bestritten.

Jeder, ob Bauer, Handwerker, Fabrikarbeiter, Tagelöhner, Schulmeister oder Pfarrer, der ein Grundstück in einigermaßen günstiger Lage besaß, betrieb Weinanbau. Wer keine Reben hatte, hatte meistens auch kein Geld.“


(Quelle: Gersheimer Hefte 4 „Der Rebanbau im saarländischen Teil des Saar-Blies-Gaues“, Dieter Hemmerling, Niederwürzbach, Februar 1987)