Schreiben des königlichen Rentamtes Blieskastel vom 30. August 1894

Amtliche Stilblüten des 19. Jhdt.

Welche wichtige Rolle Wein und Weinbau im alltäglichen Leben der Bevölkerung des Bliesgau spielten, das zeigen einige "amtliche" Stilblüten aus dem 19. Jahrhundert, die wir bei unseren Recherchen gefunden haben:

"Sonntags geht einer hierhin, der andere dorthin..."

In einem Schreiben des Königlichen Rentamtes Blieskastel vom 30. August 1894 an das Bürgermeisteramt in Bebelsheim „Die Grundsteuer der Weinberge betreffend“ wird darum gebeten, eine Aufstellung über die Besitzer und Flächen der Weinberge zu erstellen und an das königliche Rentamt zu senden.

Die Antwort aus Bebelsheim lässt nicht lange auf sich warten:

Antwortschreiben des Bürgermeisteramtes Bebelsheim vom 10. September 1894
Betreff: die Grundsteuer der Weinberge

„Zur Erledigung obig bezeichneten geehrtesten Auftrages mit den ergebensten Berichten in Vorlage, daß zur Zeit in den Gemeinden, mit den weinbautreibenden Grundbesitzern wegen der landwirtschaftlichen Arbeiten nichts zu machen ist. Geht man an Werktagen, trifft man niemand an, abends legen sich die Leute zur Ruhe, Sonntags geht einer dahin, der andere dorthin. Es wolle daher auf 14 Tage Aufschub gegeben werden, bis wenigstens das Ohmet (= Grummet) zu Hause ist.

Das Bürgermeisteramt

Schneider“


Ein anderes Dokument aus dem Jahr 1867 betrifft die Ausschreibung einer Stelle als niedergelassener Arzt 

„Ausschreiben: 

Vakante Arztstelle betreffend. Die Gemeinde Reinheim im Kanton Blieskastel, am Ende des prachtvollen Bliestals [...], hat mit Curatelgenehmigung beschlossen, vorläufig auf die Dauer von 2 Jahren einem sich dort niederlassenden Arzte eine jährliche Aversalsumme von 300 Gulden aus der Gemeindekasse als Gehaltsbeitrag zu leisten.“



„Im Ort Reinheim wird ein vorzüglicher Rothwein gezogen und würde sich dieser Ort durch seine herrliche Lage auch als Traubenkurort vortrefflich 

eignen.

Die ganze Bevölkerung des Bliestales erfreut sich durchgehender Wohlhabenheit, so dass der in Reinheim sich niederlassende Arzt mit der Behandlung von armen Kranken sich wenig zu befaßen haben wird.“

(Reinheim, den 14. Februar 1867 der Ortsvorstand J. Mischo)